Welcher Weg eignet sich im Büro, um zwei Headsets an einem Windows-PC zu betreiben?
- Y-Kabel und Trainingsadapter sind robust und brauchen keine Software, passen aber nur zu analogen oder kabelgebundenen QD-Headsets.
- Stereomix und Shared Audio sind kostenlos, hängen aber an Treiber, Anschluss oder Bluetooth-LE-Audio-Hardware; Voicemeeter ist sehr flexibel, bringt aber virtuelle Treiber und eine Lizenzpflicht im Unternehmen mit.
- AudioBridge arbeitet ohne Treiber mit USB-, Bluetooth- und Klinken-Headsets, bedient aber genau einen Zuhörer und überträgt immer die gesamte Geräteausgabe.
Eine Kollegin telefoniert, ein neuer Mitarbeiter sitzt daneben und soll mithören. Oder eine Teamleitung schaltet sich bei einem schwierigen Kunden dazu. Die Anforderung klingt einfach und lässt sich trotzdem auf sehr unterschiedliche Weise lösen. Welcher Weg taugt, entscheiden weniger die Funktionen als die Rahmenbedingungen: Welche Headsets sind im Einsatz, darf die IT Treiber installieren, und wer richtet das am Montagmorgen ein?
Verglichen werden hier vier Ansätze für einen Windows-Arbeitsplatz, an dem beide Personen nebeneinander sitzen. Veränderliche Angaben entsprechen dem Stand September 2026.
Y-Kabel, Splitter und Trainingsadapter
Die älteste Lösung ist Hardware. Ein einfacher Y-Splitter teilt den Kopfhörerausgang einer Klinkenbuchse auf zwei analoge Headsets auf. Im Callcenter verbreitet sind Trainingskabel für Headsets mit Schnelltrennkupplung (QD), die zwei kabelgebundene Headsets an ein Tischtelefon hängen. Poly und Jabra bieten solche Y-Kabel an, meist mit einem Schalter, der das Mikrofon der zweiten Person stumm lässt oder freigibt. Für den PC gibt es USB-Varianten, etwa den Jabra Link 265, der zwei Jabra-QD-Headsets an einen USB-Anschluss bringt.
Die Stärken sind handfest: keine Software, keine Treiber, keine Verzögerung, und die Einrichtung versteht jeder. Die Grenze liegt beim Anschluss. Ein Trainingskabel funktioniert nur mit kabelgebundenen Headsets des passenden Steckersystems. Ein gewöhnliches USB-Headset, ein Bluetooth-Headset oder ein DECT-Headset mit eigener Basisstation lässt sich nicht einstecken. Wer seine Headsets ohnehin gerade tauscht und im Kabelsystem eines Herstellers bleibt, ist hier gut aufgehoben.
Was Windows selbst mitbringt
Windows bietet zwei eingebaute Wege. Der erste ist der Stereomix mit der Option „Abhören“: Der Ton des Onboard-Soundchips wird auf ein zweites Gerät weitergereicht. Das kostet nichts, setzt aber einen Treiber voraus, der den Stereomix überhaupt anbietet, und das Headset der sprechenden Person muss an diesem Chip hängen, also meist an der Klinkenbuchse. Mit USB-Headsets als Quelle funktioniert es nicht. Die Einrichtung und die typischen Stolperstellen stehen unter Stereomix für ein zweites Headset.
Der zweite Weg ist neu: „Shared Audio“ in Windows 11 schickt den Ton seit Mai 2026 an zwei Bluetooth-Kopfhörer gleichzeitig. Dafür müssen PC und beide Kopfhörer Bluetooth LE Audio mit Broadcast beherrschen, und während der Freigabe sind die Bluetooth-Mikrofone abgeschaltet. Für Telefonate mit Headset ist die Funktion damit kaum geeignet. Was sie genau verlangt, steht unter Audio teilen in Windows 11.
Voicemeeter und VB-Cable
Voicemeeter von VB-Audio ist ein virtuelles Mischpult für Windows, VB-Cable ein virtuelles Audiokabel desselben Herstellers. Beide sind unter Streamern, Podcastern und Technikern seit Jahren verbreitet, und das aus gutem Grund. Voicemeeter nimmt mehrere Eingänge entgegen, mischt sie und gibt sie auf mehrere Hardware-Ausgänge gleichzeitig aus. Die größeren Ausgaben Banana und Potato bieten noch mehr Ein- und Ausgänge. Über virtuelle Eingänge lässt sich sogar gezielt nur eine Anwendung auf das zweite Headset legen, was mit einfacheren Werkzeugen nicht geht. Unterstützt werden alle gängigen Windows-Audioschnittstellen bis hin zu ASIO.
Dafür installiert die Software virtuelle Audiotreiber. Das Setup muss laut Hersteller mit Administratorrechten laufen, danach ist ein Neustart nötig, ebenso nach der Deinstallation. Im Alltag tauchen neue Geräte in der Windows-Liste auf, und die Anwendungen müssen auf das virtuelle Gerät statt auf das Headset zeigen. Wer das Routing einmal verstanden hat, kann damit fast alles lösen; wer es nicht verstanden hat, sitzt schnell vor einem Arbeitsplatz ohne Ton.
Zur Lizenz: Voicemeeter und VB-Cable sind Donationware. Privatnutzer zahlen, was sie für angemessen halten. Für den Einsatz in Unternehmen und anderen Organisationen verlangt VB-Audio nach eigenen Lizenzbedingungen eine bezahlte Lizenz, bei größeren Stückzahlen mit Mengenrabatt.
AudioBridge
AudioBridge für Windows ist für genau einen Fall gebaut: Alles, was auf dem Headset der sprechenden Person läuft, kommt live auch auf einem zweiten Headset an. Die Software nutzt dafür die Loopback-Aufnahme der Windows-Audioschnittstelle und installiert weder Treiber noch virtuelle Soundkarte. Das klappt mit USB-, Bluetooth- und Klinken-Headsets, solange Windows sie als getrennte Ausgabegeräte führt. Gleiche Jabra-Modelle lassen sich zur Unterscheidung umbenennen. Das Mikrofon der sprechenden Person kann dem Zuhörer zugemischt werden, mit eigener Lautstärke und im laufenden Betrieb schaltbar.
Für die IT relevant: Das Setup braucht Adminrechte, weil es bei Bedarf die .NET-10-Desktop-Laufzeit einrichtet; im Betrieb reichen normale Benutzerrechte. Die Konfiguration lässt sich sperren, es gibt eine Kommandozeile und Diagnoseprotokolle.
Die Grenzen: genau ein Zuhörer, immer die gesamte Ausgabe des Sprecher-Headsets statt einer einzelnen Anwendung, eine kleine technisch bedingte Verzögerung zwischen beiden Headsets und keine Übertragung über das Netzwerk. Die Oberfläche gibt es nur auf Deutsch. Eine Lizenz für einen PC kostet einmalig 59 Euro netto, ohne Abo.
Der Vergleich in einer Tabelle
| Kriterium | Y-Kabel / Trainingsadapter | Stereomix / Abhören | Shared Audio | Voicemeeter / VB-Cable | AudioBridge |
|---|---|---|---|---|---|
| Headset-Typen | Analog mit Klinke oder kabelgebunden mit passendem QD-Stecker | Quelle am Onboard-Chip, Ziel beliebig | Nur Bluetooth LE Audio mit Broadcast | Alle, die Windows kennt | USB, Bluetooth, Klinke als getrennte Geräte |
| Treiber | Keine | Herstellertreiber mit Stereomix nötig | LE-Audio-Treiber des PC-Herstellers | Virtuelle Audiotreiber | Keine |
| Adminrechte | Nein | Für Treiberinstallation | Nein, wenn Hardware passt | Für Setup und Neustart | Nur für das Setup |
| Einrichtung | Einstecken | Pro Rechner in der Systemsteuerung | Kachel in den Schnelleinstellungen | Routing verstehen und einstellen | Assistent mit Testton |
| Kosten | Hardware je Arbeitsplatz | Keine | Keine, sofern Hardware vorhanden | Donationware, im Unternehmen lizenzpflichtig | 59 € netto für einen PC, einmalig; Staffeln für mehr PCs |
| Mikrofon des Sprechers hörbar | Abhängig von Telefon und Adapter | Nur über zusätzliches Abhören am Mikrofon | Nein, Bluetooth-Mikrofone sind aus | Ja, per Routing | Ja, optional zuschaltbar |
| IT-Freigabe | Nur Beschaffung | Bordmittel, aber treiberabhängig | Bordmittel, hardwareabhängig | Prüfung der Treiber und Lizenz | Prüfung einer Anwendung ohne Treiber |
Welcher Weg zu welchem Büro passt
- Kabelgebundene QD-Headsets am Tischtelefon: Ein Trainingskabel des Herstellers ist die einfachste und robusteste Lösung.
- Ein einzelner Rechner mit Klinken-Headset und passendem Treiber: Der Stereomix reicht für gelegentliches Mithören aus.
- Neue Notebooks und LE-Audio-Kopfhörer, kein Telefonat: „Shared Audio“ ist dafür gemacht.
- Komplexes Routing, einzelne Anwendungen, mehrere Ziele: Voicemeeter kann das, wenn jemand im Haus es beherrscht und die IT Treiber freigibt.
- USB- oder Bluetooth-Headsets im Support, wiederholbar an mehreren Plätzen, ohne Treiber: Dafür ist AudioBridge gedacht.
Unabhängig von der Technik gilt: Mithören im Kundenservice braucht einen klaren Zweck und informierte Beteiligte. Was dazugehört, steht unter Mithören im Kundenservice. Einen kürzeren Einstieg in das Thema bietet der Beitrag Windows Audio auf zwei Headsets.