Wie lässt sich der Ton eines Headsets unter Windows auf ein zweites Headset übertragen, damit jemand mithören kann?
- Es gibt drei Arten von Wegen: Kabel (Y-Splitter, Trainingskabel), Windows-Bordmittel (Stereomix mit „Abhören“, „Audio teilen“ in Windows 11) und Software wie Voicemeeter oder AudioBridge.
- Windows gibt jede Anwendung auf genau einem Wiedergabegerät aus; „Abhören“ gibt es nur bei Aufnahmegeräten, deshalb bleibt für gewöhnliche USB- und Bluetooth-Headsets meist nur Software.
- AudioBridge spiegelt das Sprecher-Headset ohne Treiber auf genau einen Zuhörer am selben PC, nur in eine Richtung und mit kleiner Verzögerung.
Den Ton eines Headsets unter Windows zusätzlich auf ein zweites Headset zu bringen, geht auf drei Arten: mit Hardware (Y-Kabel für Klinken-Headsets, Trainingskabel für Callcenter-Headsets), mit Windows-Bordmitteln (Stereomix mit „Abhören“, in Windows 11 „Audio teilen“ für Bluetooth-LE-Audio-Kopfhörer) oder mit Software wie Voicemeeter oder AudioBridge. Für gewöhnliche USB- und Bluetooth-Headsets bleibt in den meisten Fällen nur die Software.
Der typische Fall: Eine Kollegin telefoniert, ein neuer Mitarbeiter sitzt daneben und soll mithören, oder eine Teamleitung schaltet sich bei einem schwierigen Gespräch dazu. Die Übersicht unten ordnet die Wege ein, jeder hat einen eigenen Beitrag mit Anleitung und Grenzen. Veränderliche Angaben entsprechen dem Stand Oktober 2026.
Welcher Weg passt zu welchen Headsets?
| Weg | Geht mit | Aufwand | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Y-Kabel / Splitter | Klinke | Einstecken, keine Software | Kein USB, kein Bluetooth |
| Trainingskabel | Kabel-Headsets mit passendem QD-Stecker, am Telefon oder per USB-Adapter | Kabel beschaffen und einstecken | Nur Headsets desselben Steckersystems; normale USB- und Bluetooth-Headsets passen nicht |
| Stereomix mit „Abhören“ | Quelle: Klinke am Onboard-Soundchip. Ziel: USB, Bluetooth oder Klinke | Einstellung je Rechner in mmsys.cpl, Treiber muss den Stereomix anbieten |
USB- oder Bluetooth-Headset als Quelle geht nicht; die Stimme der sprechenden Person fehlt |
| „Audio teilen“ in Windows 11 | Nur Bluetooth LE Audio mit Broadcast, an PC und beiden Kopfhörern | Kachel in den Schnelleinstellungen, aktueller Windows-11-Build | Bluetooth-Mikrofone sind während der Freigabe aus; genau zwei Geräte |
| Voicemeeter | USB, Bluetooth, Klinke | Setup mit Adminrechten und Neustart, virtuelle Audiogeräte, Routing einrichten | Einarbeitung nötig; im Unternehmen lizenzpflichtig |
| AudioBridge | USB, Bluetooth, Klinke | Programm einrichten, Sprecher- und Zuhörer-Headset wählen | Genau ein Zuhörer am selben PC, nur eine Richtung, kleine Verzögerung; kostenpflichtig |
Kabel sind robust, brauchen keine Software und haben keine Verzögerung. Ein Y-Splitter teilt den Kopfhörerausgang einer Klinkenbuchse auf zwei analoge Headsets auf. Trainingskabel von Herstellern wie Jabra und Poly verbinden zwei kabelgebundene Headsets mit Schnelltrennkupplung (QD) mit einem Tischtelefon; für den PC gibt es USB-Varianten wie den Jabra Link 265. Beide setzen voraus, dass die Headsets zum Stecker passen.
Stereomix ist ein Aufnahmegerät, das der Treiber des Soundchips bereitstellt. Über die Registerkarte „Abhören“ reicht Windows dessen Ton an ein zweites Gerät weiter. Das kostet nichts, enthält aber nur, was über diesen einen Chip läuft.
„Audio teilen“ sendet in Windows 11 einen Bluetooth-LE-Audio-Broadcast an zwei Kopfhörer. Für Filme zu zweit ist das gedacht; zum Telefonieren mit Headset taugt es kaum, weil die Bluetooth-Mikrofone abgeschaltet sind.
Voicemeeter von VB-Audio ist ein virtuelles Mischpult, das Ton auf mehrere Hardware-Ausgänge zugleich legen kann und sehr flexibel ist. Der Preis dafür sind virtuelle Treiber und ein Routing, das jemand im Haus verstehen muss. Privat ist die Software Donationware, für den beruflichen Einsatz verlangt der Hersteller eine bezahlte Lizenz.
AudioBridge ist auf den Fall „eine Person spricht, eine hört mit“ zugeschnitten und kommt ohne Treiber und virtuelle Soundkarte aus. Die Einrichtung steht weiter unten.
Warum gibt Windows den Ton nicht einfach auf zwei Headsets aus?
Windows führt jedes Headset als eigenes Wiedergabegerät. Eines davon ist das Standardgerät, daneben kann ein Standardkommunikationsgerät für Telefonie und Chats festgelegt sein. In Windows 11 lässt sich außerdem pro Anwendung ein anderes Ausgabegerät wählen, unter Einstellungen > System > Sound > Lautstärkemixer. In beiden Fällen ist es genau ein Gerät. Eine Einstellung „auf zwei Geräten gleichzeitig ausgeben“ gibt es für Headsets nicht.
Auch die Option „Abhören“ hilft nur bedingt: Sie existiert bei Aufnahmegeräten, also bei Mikrofonen und beim Stereomix, nicht bei Kopfhörern oder Lautsprechern. Ein Wiedergabegerät lässt sich darüber nicht direkt spiegeln. Der Stereomix selbst ist laut Microsoft ein Loopback-Gerät des Hardwareherstellers: Nicht jeder Soundchip hat eines, es heißt je nach Hersteller anders und muss erst aktiviert werden.
Programme können dagegen über die Windows-Audioschnittstelle WASAPI mitlesen, was ein Wiedergabegerät gerade abspielt, und diesen Ton auf einem anderen Gerät wiedergeben. Das funktioniert unabhängig davon, ob der Soundchip einen Stereomix hat. Eine Einschränkung nennt Microsoft: Belegt eine Anwendung ein Gerät im Exklusivmodus, lässt sich dessen Ton nicht abgreifen. Auf WASAPI setzt auch AudioBridge auf.
Worauf es im Büroalltag ankommt
Technisch funktionieren mehrere der Wege. Im Support, in der Einarbeitung oder im Training entscheiden aber andere Punkte, ob eine Lösung im Alltag bleibt:
- Treiber und virtuelle Geräte: Neue Audiogeräte in der Windows-Liste führen zu Rückfragen. Welches Gerät ist jetzt das richtige, und warum hat das Softphone plötzlich keinen Ton?
- Adminrechte: Wenn für jede Änderung jemand aus der IT kommen muss, wird das Mithören selten genutzt.
- Wiederholbarkeit: Einarbeitungsplätze werden oft täglich neu besetzt. Der Ablauf sollte an jedem Platz gleich sein und ohne Schulung klappen.
- Die eigenen Geräte: Headsets, Treiber und Telefoniesoftware beeinflussen das Ergebnis. Ein Test mit genau den Geräten, die im Einsatz sind, sagt mehr als jede Anleitung.
Headset spiegeln mit AudioBridge: Schritt für Schritt
AudioBridge läuft unter Windows 10 ab Version 2004 und Windows 11 (64 Bit). Die Testversion ist eine ZIP-Datei und braucht die .NET-Desktop-Laufzeit von Microsoft; fehlt sie, richtet das Setup sie nach Zustimmung mit ein. Adminrechte braucht nur das Setup, im Betrieb reichen normale Benutzerrechte.
- Beide Headsets an denselben PC anschließen. Ob USB, Bluetooth oder Klinke, ist egal, solange Windows sie als Audiogeräte erkennt.
- Sprecher- und Zuhörer-Headset auswählen. Sind die Namen gleich oder unklar, spielt der integrierte Assistent jedes Gerät einzeln mit einem Testton an. Wer den Ton hört, ordnet ihn Sprecher oder Zuhörer zu.
- Auf „Start“ klicken. Die zuhörende Person hört jetzt alles, was auf dem Sprecher-Headset läuft, etwa Teams, ein Softphone oder den Browser. Die Anwendungen müssen dafür nicht umgestellt werden.
- Bei Bedarf das Mikrofon des Sprechers zuschalten. Dann hört der Zuhörer auch die Stimme der Kollegin, nicht nur die Gegenseite. Das zum Sprecher-Headset passende Mikrofon wählt AudioBridge automatisch, es hat eine eigene Lautstärke und lässt sich im laufenden Betrieb ein- und ausschalten.
- Lautstärke für den Zuhörer einstellen. Sie ist unabhängig vom Sprecher-Headset. Kurz stummschalten geht auch über das Symbol im Infobereich.
Die Auswahl wird gespeichert und beim nächsten Start wiederverwendet. Die Grenzen gehören dazu: Es gibt genau einen Zuhörer am selben PC, übertragen wird nur in eine Richtung, und eine kleine, technisch bedingte Verzögerung zwischen beiden Headsets bleibt. AudioBridge zeichnet nichts auf. Die Lizenz kostet ab 59 € netto einmalig je PC, die Testversion läuft 30 Tage. Details stehen auf der Produktseite von AudioBridge.
Häufige Fragen
Gibt es eine Verzögerung auf dem zweiten Headset?
Bei Y-Kabeln und Trainingskabeln nicht, das Signal wird nur elektrisch aufgeteilt. Alle Wege über Windows puffern den Ton: Beim Stereomix mit „Abhören“ ist eine kleine Verzögerung normal und nicht einstellbar, bei AudioBridge bleibt ebenfalls eine kleine Verzögerung. Wie stark sie mit den eigenen Geräten auffällt, zeigt nur ein Test.
Funktioniert das mit Bluetooth-Headsets?
Kabel und Stereomix scheiden für Bluetooth-Headsets als Quelle aus. „Audio teilen“ in Windows 11 setzt Bluetooth LE Audio mit Broadcast an PC und beiden Kopfhörern voraus und schaltet die Bluetooth-Mikrofone ab. Voicemeeter und AudioBridge arbeiten mit Bluetooth-Headsets, die Windows als Audiogerät führt, auch gemischt mit USB oder Klinke.
Können mehrere Personen gleichzeitig mithören?
Mit AudioBridge nicht, es überträgt auf genau ein zweites Headset am selben PC. „Audio teilen“ versorgt genau zwei Kopfhörer. Voicemeeter kann je nach Ausgabe mehrere Hardware-Ausgänge bedienen. Mithören über das Netzwerk, etwa aus dem Homeoffice, deckt keiner dieser Wege ab.
Hört der Gesprächspartner die zuhörende Person?
Bei AudioBridge nicht: Übertragen wird nur vom Sprecher- zum Zuhörer-Headset, das Mikrofon des Zuhörers wird nicht weitergeleitet. Auch beim Stereomix bleibt das Zuhörer-Mikrofon außen vor. Bei Trainingskabeln hängt es vom Modell ab; viele haben einen Schalter, der das Mikrofon der zweiten Person stumm lässt oder freigibt. Ob und wie Anrufer über das Mithören informiert werden, steht im Beitrag Mithören im Kundenservice.
Wie hört ein zweites Headset bei einem Teams-Anruf mit?
In den Geräteeinstellungen von Teams wird für das Gespräch ein Lautsprecher gewählt. Ein zusätzliches Gerät für den Klingelton spielt nur das Klingeln ab, nicht das Gespräch. Das zweite Headset bekommt den Ton also über einen der Wege oben. Was in Teams selbst einzustellen ist, beschreibt Teams-Anruf auf einem zweiten Headset.
Was tun, wenn beide Headsets in Windows gleich heißen?
Baugleiche Headsets, besonders Jabra-Modelle mit Adapter, erscheinen in Windows oft unter demselben Namen. Wie sie sich unterscheiden lassen, steht unter Jabra-Headsets mit gleichem Namen. AudioBridge liest über das Jabra SDK den im Headset hinterlegten Namen und setzt auf Wunsch eindeutige Windows-Namen; für andere Marken hilft der Assistent mit Testton.